Kaiseraugster Notizen
Die Mär vom zuparkierten DorfVon Meinrad Schmid, 12. Mai 2008 – 09:00
Die Gemeinde braucht ein Parkhaus, meint der Gemeinderat - also soll für teures Geld ein stattliches „Loch" gebuddelt werden, wohl ganz unter dem Motto: wie „verloche" ich am besten ein paar Steuermillionen. Geld ist ja genügend da - "es het so langs het, ob's brucht wird oder nid".
Das ganze Dorf sei überstellt mit Autos, heisst es und das sei schrecklich. Deshalb sollen diese Symbole unserer modernen Gesellschaft schleunigst aus dem Blickfeld verschwinden. Man will ein ordentliches Dorf, idyllisch, gepflegt - museumshaft. Dies scheint die Denkweise der Behörde zu sein. Aber auch Personen aus unserer Mitte teilen anscheinend diese Ansicht.
Dabei wäre zu bedenken, dass die meisten Bewohner des Dorfkerns ihre Autos auf eigenem Grund und Boden parkieren. Das mag vielleicht unordentlich und "überstellt" aussehen; es ist aber ihr privates Eigentum. Und dann gibt es noch die anderen.. ..seit 2 Jahren ..... die ihr Auto in der blauen Zone abstellen und dafür eine Nachtparkiergebühr bezahlen. Diese Laternenparkplätze hat der Gemeinderat mit der Einführung von Tempo-30 selber geschaffen und damit Parkraum auf öffentlichen Strassen angeboten.
Der soll nun ein Parkhaus benützen müssen? Werden die blauen Gemeindeparkplätze wieder aufgehoben? Schafft man künstliche Parkplatznot, damit man das Benützen eines Parkhauses erzwingen kann? Wie will man die privaten Grundstücksbesitzer anhalten, ihre Autoabstellplätze aufzugeben und ein Parkhaus zu benützen? Oder erwartet man eine massive Steigerung der Touristen, so dass Parkplätze für in- und ausländische Besucherscharen geschaffen werden müssen? Wo parkieren die Reisebusse - sicher nicht in einer Autoeinstellhalle.
Ist unser Dorf denn wirklich so überstellt mit Autos? Der Gemeinderat wirft das angebliche Interesse von rund 15 Personen an Mietparkplätzen in die Waagschale. Nur, bei einer Monatsmiete von angenommen CHF 130.00 können nicht einmal die Investitionskosten verzinst, geschweige Amortisation und Unterhalt geleistet werden. Im übrigen können Mietverträge innert 3 Monaten gekündigt werden. Der Gemeinderat hat nichts Handfestes - nur mündliche Absichtserklärungen.
Ich sehe heute einen meistens schwach bis mittel belegten Parkplatz beim Dorfschulhaus ... ausser jeden 2. Dienstag im Monat in der Mittagspause, wenn der Rotary-Club seinen Lunch im Adler abhält. Müssen wir Kaiseraugsterinnen und Kaiseraugster das Parking für den elitären Rotary-Club finanzieren?
Fragen über Fragen - und keine klaren Antworten des Gemeinderates. Natürlich, Kaiseraugst könnte es sich leisten, Geld ist ja genügend da. Aber wozu braucht Kaiseraugst wirklich ein Parkhaus? Oder geht es eher um ein Denkmal? Ein Denkmal für fette Jahre? Es war auch schon mal anders. Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gebt acht, wozu euer Steuergeld ver(sch)wendet wird.
- 6.0
- | Kategorie: Lokalpolitik
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